Sich gegenseitig dissen ist ja quasi Szenesport innerhalb der radikalen Linken; aus Langeweile bin ich heute auf zwei ältere Artikel gestoßen, in welchen sich mehr oder minder kritisch mit der (damaligen) antifaschistischen aktion hannover [aah] “auseinandergesetzt” wird. Die entsprechenden Textstellen poste ich deshalb mal, angefangen mit einem Auszug aus einem Text der mittlerweile aufgelösten Gruppe Bad Weather aus Hamburg, erschienen in der Phase 2.14 im Zuge der dortigen Antifa-Debatte:
Die Parallelen zum NS-Arbeits- und Wohlfahrtsstaat sind sowohl im Oldschool-Postnationalsozialismus als auch in seiner modernisierten Form so evident, dass es sich für antifaschistische Linke eigentlich verbieten sollte, den postnazistischen Sozialpakt und seine ideologische Unterfütterung zu verteidigen. Eine Antifagruppe aus Hannover schreibt: “Es ist zynisch und menschenverachtend, bei einer offiziellen Arbeitslosenzahl von 4,7 Millionen und 120.000 fehlender Ausbildungsplätze so zu tun, als müssten Arbeitslose nur besser motiviert, das heißt sanktioniert werden, um das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen”. Wir waren, gelinde gesagt, erstaunt darüber, dass sich Antifaschisten inzwischen den Kopf über die Lösung des “Problems der Arbeitslosigkeit” zerbrechen. Dass die Gruppe weiter schreibt, “[d]as Wörtchen .Volk. beinhaltet für uns, die wir in Deutschland leben, den Stallgeruch des Nationalsozialismus”, hindert sie nicht, einige Tage später auf einem Antinaziflugblatt den Nazis allen ernstes “soziale Volksverhetzung” vorzuwerfen. Engagement in der Hartz-IV-Bewegung scheint kein leichter 1-Euro-Job zu sein, zu schnell kann man den Kopf verlieren – auch wenn man das Wort antifaschistisch im Namen trägt. Festzuhalten bleibt, dass selbst ohne “Sozialpartnerschaft” die ideologischen Standards der postnationalsozialistischen Gesellschaft bestehen bleiben.
Unser aller Lieblingszentralorgan der antideutschen Bewegung, die Bahamas, hat sich ebenfalls mal rangemacht:
Alles fing am 04.03.2003 an. Damals „fand auf dem zentralen Platz in Hannover, dem Kröpcke, eine Agit Prop-Aktion gegen Sozialabbau, Hartz und Kapitalismus statt“, schreibt „eine aus der antifa aktion hannover“ bei Indymedia. „Mit einem Spiel, an dem sich die PassantInnen beteiligen konnten, dass wie ein ‚Spiel des Lebens‘ aufgebaut war, wurden Inhalte gegen die Hartz-Pläne, Sozialabbau und repressiven Arbeitswahn vermittelt. Das Spiel ist so aufgebaut, dass schließlich nur der ‚Arbeitgeber‘ zum Ziel des Spieles kommt und ein fettes Kissen mit Geld erhält. Alle anderen bekamen am Ende des Spiels ein echtes Los mit der Chance, 25.000 Euro zu gewinnen. Denn: dies ist die einzige Möglichkeit, in dieser Gesellschaft reich zu werden. An dem Spiel beteiligten sich sehr viele PassantInnen! Manchmal waren bis zu 50 Menschen um das Geschehen, die nicht aus der Linken zuzuordnen waren.“ Leider war das Anliegen dann doch nicht so gut vermittelbar. Damals hatten die Antifaschisten ihr Plakat zwar bereits ahnungsvoll mit dem Zonen-Sandmännchen verziert, konnten es sich dann aber doch nicht verkneifen, „Viva la revolution“ darunter zu schreiben. Inzwischen ist man weiter und weiß, daß man sich vom linken Stallgeruch befreien muß, wenn man Signalwirkung auf breite Bevölkerungskreise haben will. Am 09.07.2004 hat die gleiche Antifa auf der Mondiali Antirazzisti, dem Treffpunkt linker Fußballer, mit Genossen aus halb Europa einen viel zündenderen Spruch nicht etwa hergesagt, sondern gesungen: „Viva, viva Palästina, Initfada Libertà!“.
(via 118)
Dissense!
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